Stallweihnacht ...
... Mai-Anne erzählt:
Es sind nicht viele Erinnerungen, die ich an meine Kindheit habe.
Ich bin in einer Landwirtschaft groß geworden.
Mein Vater verlor seine Eltern im Kindesalter
und war harte und schwere Arbeit gewöhnt.
Auch für meine Mama kam zuerst die Arbeit in Stall und Feld
und dann erst waren wir Kinder dran.
Ich sage das ohne Vorwurf.
Ich weiß, dass es keine andere Möglichkeit für sie gab.
Wie gesagt, ich hab nicht viele Erinnerungen an meine Kindheit,
keine schlechten, aber auch keine nennenswerten "Events".
Nur an Eines, da erinnere ich mich jedes Jahr zur Weihnachtszeit:
An Heiligabend, nach dem Mittagessen, da steckte Papa
seine Mundharmonika in die Hosentasche, nahm mich und meinen Bruder an die Hand
und ging mit uns in den Kuhstall.
Er setzte sich mit uns ins weiche Stroh und dann spielte er uns Weihnachtslieder
vor:
"Leise rieselt der Schnee", "Alle Jahre wieder", "Ihr Kinderlein, kommet"
und "Tochter Zion" ! – Wie ich das Lied heute noch liebe!
Wir Kinder saßen ganz still einfach nur da und lauschten.
Da gab es keine ungeduldige Fragerei:
"Wann kommt endlich das Christkind ...???"
Die Kühe und die kleinen Kälbchen lagen zufrieden im Stroh.
Es war warm und friedlich rings um uns ...
... Mama schmückte in dieser Zeit den Baum und richtete im Wohnzimmer
alles her für die Bescherung am Abend nach der Christmette.
Wie lange dieses "Warten auf's Christkind" gedauert hat, weiß ich heute nicht
mehr.
Aber wenn ich daran denke, krieg ich feuchte Augen und ich bin meinem Papa
unendlich dankbar für diese kostbaren Stunden im Stroh.
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