Spontangeschichte

(gestern Abend geschrieben ... mal ohne Zufallswort)

Heiliger Abend, 14.30 Uhr ... bei Rita klingelt es an der Haustüre.

Sie öffnet die Tür ... "nää ... das glaub ich jetzt nicht".

Vor ihr steht Herbert, den sie im Mai zum letzten Mal gesehen hat.
Damals, bei der Scheidung, war eigentlich klar,
dass sie nix mehr miteinander zu tun haben wollen.
Und nun steht Herbert so einfach mir nichts dir nichts in der Tür.

"Sorry, ich machs auch ganz kurz ... bei dir im Keller
müsste noch der Christbaumständer liegen und da ich weiß,
dass du keinen Platz für einen Baum hast, dachte ich,
ich frag mal ... ich kam zufällig hier vorbei, ganz spontaner Entschluss also".

"Herrje Herbert ... kannste dir nicht einen neuen kaufen."

"Nee, als ich dran dachte, hatten die Geschäfte schon geschlossen".

"Ich hab keine Ahnung, wo der liegt ... komm kurz rein
und mach die Haustüre zu, es zieht".

Rita geht in den Keller und kommt mit den Worten
"wat weiß ich, wo das Scheissdingens liegt" nach oben.
"Willste nen Kaffee, ich hatte zufällig welchen gemacht,
bevor du in der Tür standest. Setz dich in die Küche, ich komm gleich".

Wieder in der Küche, fragt sie "wie gehts dir denn so" ... Rita wundert sich,
dass sie ausgerechnet jetzt ausgerechnet diese Frage stellt.

Herbert begann stockend zu erzählen.
"Jaja, soweit in Ordnung, aber eben anders als früher."
"Ja, vom "anders" kann ich auch ein Lied singen".

Und so redeten die beiden eine ganze Stunde lang
und je länger sie redeten, desto mehr weht ein Hauch
des früheren Miteinanders durch die Stube.

"Was machen wir nun mit deinem Baum, Herbert ?" fragte dann Rita.

"Soll ich ganz ehrlich sein ... ich habe gar keinen Baum,
das war nur ein Vorwand ... ich hatte den Wunsch,
dass wir uns beide zum Heiligen Abend ein bisschen Freundschaft schenken."

"Geschenk angenommen" sagt Rita ... ich mach uns ne Pizza,
geh du schon mal ins Wohnzimmer.

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