Weihnachten früher und heute

Birgit L. erzählt:


Weihnachten in den 70ern:

Wie schon von vielen anderen Seelenfärblern berichtet,
durften auch wir nicht ins Wohnzimmer, während der Baum geschmückt wurde.
Allerdings wussten wir immer, dass da nicht das Christkind am Werk war,
denn die Wohnzimmertür hatte einen Glaseinsatz
und wir konnten - wenn auch nur verschwommen - Mama und Papa drinnen sehen.

Natürlich war auch für uns die Wartezeit immer sehr lang,
aber zu meiner Zeit gab es an Heilig Abend nachmittags ein weihnachtliches Kinderhörspiel im Radio,
das zumindest ich gerne angehört habe.

Am deutlichsten ist mir die Geschichte von dem kleinen Mädchen in Erinnerung geblieben,
das sich einen Elöwaffokuschel gewünscht hat, und weil im Himmel keiner wusste,
was das sein sollte, wurde ein Posaunenengel zur Erde geschickt, um es herauszufinden.

Wenn es dunkel wurde, und die Lichter am Baum angezündet waren,
damals noch echte Kerzen, durften wir schließlich ins Wohnzimmer.
Es wurden Weihnachtslieder gesungen und das Lukasevangelium aufgesagt,
größtenteils von meinem Bruder, worüber ich sehr erleichtert war :-).
Dann war Bescherung.


Weihnachten in den 2000ern:

Auch unsere Kinder durften nicht dabei sein, wenn ich den Baum schmückte.
Das gestaltete sich ungleich schwieriger als in meinem Elternhaus,
denn die Treppe zum ersten Stock ist Teil des Wohnzimmers.
Ich hatte zum Schmücken deshalb nur die knappe dreiviertel Stunde,
in der die Kinder mit ihrem Papa im Krippenspiel waren.

Wenn sie dann nach Hause kamen, gab es erst mal Abendessen.
Danach haben die Kinder sich in der Küche umgezogen,
während Papa die Geschenke unter den Baum legte und die Beleuchtung einschaltete.
Erst wenn Papa wieder in die Küche kam, durften die Kinder ins Wohnzimmer.

Auch mit unseren Kindern haben wir erst gesungen, ehe beschert wurde.
Später, als die Kinder größer wurden, haben sie mich auf der Flöte begleitet.


Weihnachten heute:

Viel hat sich am Ablauf seither nicht geändert.
Natürlich sind die Kinder inzwischen groß und dabei, wenn der Baum geschmückt wird.
Wir bescheren auch nicht mehr ganz so früh.
Gesungen wird leider nicht mehr, das fehlt mir sehr.
Aber mein Mann war noch nie ein großer Sänger und die Kinder
wollen auch nicht mehr so recht, nicht mal Flöte spielen.

Alleine ist es nicht dasselbe.
Dafür haben die Kinder jetzt mehr Geduld beim Auspacken als früher.
Es packt immer nur einer aus, und die anderen schauen zu und freuen sich mit,
wenn der Auspacker sieht, was unter dem Papier zum Vorschein kommt.

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