Weihnachten früher und heute
Gerlinde aus Sachsen - Teil 2 (von 3)
Weihnachten in den 70er Jahren
Im Sommer 1972 heirateten wir - wir leben nicht mehr im Erzgebirge,
sondern sind
zwischen Burg Stolpen und Dresden daheim.
Unser erstes Weihnachten als junge
Familie feierten wir 1973,
in einem heizbaren Zimmer der elterlichen Wohnung,
glücklich über unser erstes Kind, das im Sommer geboren war.
Dankbar, dass
Eltern und Geschwister zusammengerückt waren!
Engel und Bergmann auf dem
Fensterbrett waren auch zusammengerückt,
damit der neue Engel für unser Kind
Platz hatte.
Es hat recht lange gedauert, bis wir die eigene Wohnung in unserem Haus beziehen
konnten!
Erst 1979 (!), als mein Mann seinen Wehrdienst als Bausoldat absolviert hatte,
konnten wir mit der Renovierung der Wohnung beginnen,
der Raum, der aufgrund
der Elektrik und der bestehenden Wasseranschlüsse
bisher genutzt werden konnte,
musste saniert werden:
Elektrische Leitungen waren Aufputz in Rohr verlegt, das
teilweise nicht mehr in Ordnung war.
Beim Versuch, den Putz der Decke
auszubessern, kam diese komplett runter,
Heilig Abend 1979 standen wir zu dritt
in
der "Küche" und suchten und rätselten,
weshalb in der ganzen Wohnung keine
Steckdose und kein Lichtschalter arbeiteten!
Meine Eltern hatten die drei "Großen" (drei, fünf und sechs Jahre alt) hoch zu
sich
geholt
und sangen und spielten mit ihnen.
Der Jüngste (18 Tage alt) lag in
seinem
Körbchen
und ich war froh, dass seine "Fütterung" noch problemlos war.
Es
dauerte
eine ganze Weile, bis wir die Störungsursache (Kabelbruch im Wanddurchgang)
gefunden hatten und wir bald Abhilfe schaffen konnten.
15 Uhr erste Christvesper – die Mehrzahl der Familie war damals im Chor,
der
Schwager im Posaunenchor ... ich durfte daheim bleiben und mich dem Jüngsten
widmen.
Es sah in unsrer Wohnung nicht wirklich nach Weihnachten aus!
Wie sollte
das nur werden?
Wie wird aus einer Baustelle und Behelfswohnung eine gemütliche
Weihnachtsstube?
Dann kam meine Mutti zu mir und erzählte, was sie zufällig von unsrer Ältesten
gehört hatte,
die auf der Treppe im Haus unterwegs war und meinte, dass niemand
sie höre:
"Überall ist Weihnachten ... aber bei uns nicht! Kein Baum ... keine
Lichter
... kein Spielzeug. Nur Baustelle, da kommt kein Christkind ..."
Meine Augen werden
heute noch feucht, wenn ich daran denke,
wie es mir in diesem Moment ging ...
Meine Eltern und Geschwister haben uns für eine Weile die Kinder abgenommen
und
wir haben "gezaubert" - da inzwischen die Elektrik wieder funktionierte,
dauerte
es
nicht lang, bis der Christbaum im Lichterglanz strahlte,
sich die kleine
Pyramide
drehte und nun vier Engel und zwei Bergmänner allen erzählten,
dass sich unsre
Familie vergrößert hat.
Die "Großen" gaben zu erkennen, dass sie die Figuren der
Weihnachtskrippe kannten
und sangen fröhlich die ihnen bekannten Winter- und
Weihnachtslieder mit.
Sie freuten sich über die Sachen, die auf dem Tisch auf
sie
warteten,
glücklich und zufrieden sind sie später in ihre Betten gegangen.
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