Heiligabenderinnerungen
Regina
erzählt von den Heiligen Abenden in ihrer Kindheit.
Der Heilige Abend war für uns Kinder immer ein besonderer Tag.
Wir waren vier Geschwister, ich war die Jüngste von uns.
In unserer Gegend schneite es früher viel.
So war die Welt draußen auch sehr weihnachtlich anzuschauen.
Schon am Morgen begann die Mutter mit den Vorbereitungen.
Sie kochte Pellkartoffeln für den Kartoffelsalat.
Wir durften mit in der Küche helfen.
Dazu gab es dann ganz traditionell die Würstchen.
Vater stellte derweil im großen Flur den riesigen Weihnachtsbaum in den
Baumständer,
brachte ihn in die gute Stube – das Wohnzimmer – und schmückte ihn
mit echten Kerzen und roten Äpfeln und mehr.
Die Stube war dann für uns Kinder tabu,
drinnen wurden die Geschenke für uns unter dem Baum angeordnet für die
abendliche Bescherung.
Am Nachmittag ging es dann in die Kirche zur Christvesper.
Wir Kinder sangen in der Kurrende mit.
Ich sang den Engel "Vom Himmel hoch, da komm ich her",
während wir mit Stern und Kerzen in die Kirche einzogen.
Vater spielte mehrere Musikinstrumente, so auch Posaune im Bläserchor.
Nach der Christvesper spielte immer dieser Bläserchor auf dem Marktplatz
weihnachtliche Lieder.
Manchmal blies der Chor seine Lieder auch vom hohen Kirchturm herunter.
Danach war Bescherung zu Hause.
Die Stubentür wurde geöffnet.
Vorher hatte Vater am Baum die Kerzen angezündet
und weihnachtliche Musik erklang vom Schallplattenspieler.
Dann wurde gemeinsam ein Lied gesungen,
ehe wir Kinder zu unseren Geschenken durften.
Das war dann eine große Freude.
Es gab später das von Mutter vorbereitete Festessen - Kartoffelsalat und
Würstchen.
Am Abend gingen wir dann müde, aber glücklich ins Bett.
Meist spielte dann unser Vater auf seiner Geige noch ein kleines Einschlaflied
für uns.
Wir Kinder mussten dann geduldig auf den nächsten Heiligabend warten.
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