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22. Februar 2026
 
Heute ist der erste Fastensonntag.
So werden die Sonntage zwischen Aschermittwoch und Ostern genannt.

In der katholischen Kirche nennt man das österliche Bußzeit,
in der evangelischen Kirche Passionszeit.

Sie ist eine Bußzeit, in der der Leiden Christi gedacht wird
und dient der Vorbereitung auf das Hochfest Ostern.

Doch darum solls heute nicht gehen ... denn heute ist auch der

Funkensonntag

So nennt man das Brauchtum am ersten Sonntag nach dem Aschermittwoch.

Diesen Namen bekam der Sonntag vom Brauch des Funkenfeuers,
der im schwäbisch-alemannischen Raum und im Tiroler Oberland verbreitet ist.

Der schwäbisch-alemannisches Raum. das bedeutet Vorarlberg, Liechtenstein, Schweiz,
Schwarzwald, Allgäu, Oberschwaben, am Bodensee, sowie im Tiroler Oberland und Vinschgau.
Aber auch in Ostfrankreich und bis in die Gegend von Aachen
sowie bei den Sathmarer Schwaben in Rumänien gibt es diesen Brauch.

Jedes Jahr an diesem Sonntag werden die sogenannten Funken abgebrannt.



So sieht dieses Funkenfeuer vor dem Anzünden aus.

Der Funken ist ein Strohhaufen oder aufgeschichteter Holzturm,
der nach Einbruch der Abenddämmerung unter den Augen der Dorfbevölkerung angezündet wird.

Das ist ein wichtiger Brauch ... 2010 wurde er in Vorarlberg sogar
in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen.

Noch ein schon vorbereiteter Funken:



Der gleiche Funken, brennend:



Zwei weitere Funken mit Menschen dabei ...



... so dass man sehen kann ...



... wie groß diese Funkenfeuer sind.

Früher wurde in der Bodenseegegend in den Funken hinein
ein Raum für die Funkenwirtschaft eingebaut, in der bis kurz vor dem Anzünden bewirtet wurde.
Aus Sicherheitsgründen wird heute aber eher in einem Zelt neben dem Funken gefeiert.

Abgebrannt wird der Funken bei Einbruch der Dunkelheit
und man wartet dann auf die Explosion der Funkenhexe.
Erreichen die Flammen des Funkens die Hexenpuppe, explodiert sie laut,
was besonderes Glück verheißt.
Fällt der Funken um, bevor die Hexe explodiert, gilt das als schlechtes Omen.
Wenn denn das so passiert, wird die Hexe am darauf folgenden Sonntag
in einer Zeremonie "beerdigt".

Es gibt ein paar regionale Begleitbräuche ... in Oberschwaben und im Allgäu
wird in vielen Wirtshäusern und Vereinshäusern ab dem Frühschoppen
um sogenannte Funkenringe (kreisförmiges Hefegebäck (Kranzbrot)) gewürfelt.

In Oberschwaben gehört zum Bau des Funkens auch das
das gemütliche Beisammensein im Funkenwagen.
Das ist oft ein alter, teils von den Funkenbauern umgebauter Bauwagen.

Es gibt auch den Brauch des Scheibenschlagens,
bei dem glühende Holzscheiben mithilfe einer Rute oder eines Steckens
über eine Rampe in die Luft katapultiert werden.
Oder Scheiben werden glühend auf ihren Stöcken rotierend bewegt:



Heute sind wir also nicht "in" einer Kirche,
sondern auf freiem Feld und schauen einem religiösen Brauch zu.



Willkommen beim Funkensonntag ... deine Gedanken zu diesem Brauch ?
 



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