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22. Juli 2026




Der Sommer

Der Sommer ist dabei sich auszutoben.
Er lässt das Korn schnell reifen als hätte er Eile,
lässt die wilden Kräuter erblühen, so dass es schwer ist
für jeden Schmetterling zu entscheiden, welche Blüte zuerst besuchsreif ist.

Bei einem langen Gang durch die Felder gluckst es immer noch im Bach neben mir,
obwohl die Trockenheit schwer erträglich wurde
und die Temperaturen selten erreichte Grade erreichen.

Die hellen Stunden sind lang, als wollte der Tag sich
für die Dunkelheit der Vergangenheit entschuldigen.
Ich mag diese Stille nach dem Gezirpe der Lerche über dem ersten abgeernteten Kornfeld.
Sattes Gelb den Hang hinauf trifft auf den typisch blau verschleierten Himmel,
stößt ihn an wie Bartstoppeln, und erreicht ihn doch nur durch meine Augen.

Als noch dutzende Erntehelfer sich mühten alles in gutem Zustand zu ernten,
ist es heutzutage ruhig geworden, wenn die Riesenmaschinen nach erledigter Arbeit
einfach stehen gelassen werden, um morgen woanders abzuräumen.

Mehr Leben miteinander saß da am Rand, trank mitgebrachten Kaffee,
und aß den mitgebrachten Zuckerkuchen,
während die Schmerzen im Rücken erst abends einsetzten.
Vielleicht sind das die besten gemeinsamen Zeiten,
die einer Geschwindigkeit weichen mussten,
alles rasant mit hochmodernen Gerätschaften zu erledigen.

Vielleicht sollte ich jetzt umkehren, denn am Horizont zieht es schwarz auf,
und lässt das Gelb noch intensiver wie Gold erscheinen.
Alles ist still bis auf den geschwätzigen Bach,
in dem ich einst kleine Fische beobachten konnte.
Er wird immens anschwellen, wenn die kräftigen Schauer des Hochsommers
ihn übersatt werden lassen, wenn die Ströme von den Feldern einen Ausweg suchen.

Die schwarzbunten Kühe stehen bereits zusammen gedrängt
und wenden ihr Hinterteil dem Wetter entgegen.
Vielleicht gibt es etwas Abwechslung, wenn die
allgegenwärtigen lästigen Quälgeister der Mücken und Fliegen von ihnen ablassen.

Vielleicht sollte ich am Ende des Weges mich nicht noch einmal umdrehen,
um die vergangene Zeit bittersüß zu registrieren, die neue anzunehmen,
um mit ihr in den Herbst zu gehen.
Langsam aber, ganz langsam.

[ Burkhard Jysch ]

 



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