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26. September 2026

Schulanfang
1. Schultag

Heute habe ich einen Text von Buck (Burkhard Jysch) für Euch:

Die ersten schönen Tage

Das Schwarz-Weiß-Foto zeigt eine breite Treppe vor einem großen Eingang, der zu einem stattlichen Haus gehört mit vielen Fenstern im einstöckigen Gebäude. Ganz oben alles Frauen, darunter auf den Stufen alles Kinder beim ersten ernsten Schritt ins Leben. Ich brauche nicht groß zu suchen um mich zu finden auf einer der ersten Stufen. Einen Zentimeter über der Schultüte bei zerbrechlicher Gestalt und einem zweifelnden Blick, ob ich überhaupt aufs Bild komme.

Ich sehe einen Jungen, dem der Wind mir die blonden Haare ins Gesicht weht und auch die Lehrerin, der das gleiche passiert. Der Rand des schwarz weiß Fotos ist angeknabbert wie eines meiner Pausenbrote, die ich demnächst wieder im schweren Tornister nach Hause bringen sollte. So richtig klar war wohl den wenigsten, was mit uns alles geschehen würde.

Immerhin weinte nicht einer, sobald wir die begleitende Hand der Mutter los ließen, und nun nach dem Gruppenfoto mit der Lehrerin in einen gebohnerten Raum gingen, der Gebrauchsspuren trug. Statt einer Eröffnungsrede nahm Frau L. Ihre Gitarre und begann wie selbstverständlich zu spielen. Wie schön doch Schule sein kann, werde ich wohl in dem Moment gedacht haben.

Ich saß vorn links von hinten gesehen und schaute soeben über den an Spuren reichen Holztisch auf die riesige Schiefertafel durch die Buchstabenfragmente schimmerten. Der Musikeinlage folgte eine Art Einweisung in den Schulbetrieb, wo die Toiletten sind, und wo das Zimmer des Rektors, was auch immer das sein sollte.

Wir waren zwölf in der ersten Klasse 1954, Mädchen und Jungs zu gleichen Teilen dabei zwei der Jungs, die bis zum Dorfende mit mir einen gemeinsamen Heimweg hatten. Den Rest der zwei Kilometer ging ich allein und brauchte für den Heimweg je nach Wetterlage unterschiedliche Zeiten.

Buntstifte, Schreibheftchen, ein Apfel, das Schulbrot und einen Stundenplan, der so allem widersprach was meinen freien Alltag bisher ausmachte. Wie ich damit klar kam war auch wetterbedingt, denn es kam darauf an wie viele Kriechtiere in den sommerlich vertrockneten Gräben vor mir davon liefen, denn ich lief immer in ihnen statt auf einer Schotterstraße. Selbst nach starken Regenfällen und in Gummistiefeln ließ ich es mir nicht nehmen, diese Unterwasserwelt zu erforschen.

Am Ende des Schulwegs sah ich vom Berg schon die aufstrebenden Bäume eines Waldrandes, der mit mir groß wurde und stehen blieb, bis dahinter wieder aufgeforstet wurde. Die drei Häuser unserer Bergarbeiter „Siedlung“ blieben verdeckt. Anhand wieder gefundener blauer Schulzeugnisse konnte ich in Zahlen und dürren Worten nachvollziehen, wie es mir schriftlich gegeben wurde, wo meine Stärken und Schwächen lagen. „B. lässt sich immer noch stark ablenken“ war zu lesen, wie eine Wiederholung.

Das beste war der Dreisatz, in dem nicht hinterfragt wurde wer mit wem wohl verheiratet war, sondern die meisten Kartoffeln im Keller hortete. Interessierte mich nicht so sehr wie die Antwort auf meine Frage nach der zu erwartenden Hochzeit mit dem Bauern soundso. Wenn Marie Luise K. ihre Haare etwas zur Seite schlug, schrieb ich manchmal ihre falschen Antworten ab und kam nicht auf die Idee, dass sie mit ihr eine gewisse Ähnlichkeit aufwiesen. Ich lernte daraus, dass Abschreiben nicht gut war und Haare auch nicht, die mich verführten das Falsche zu tun.

Erdkunde wurde dann mein Favorit. Am liebsten hätte ich hinter die Weltkarte geschaut, um zu sehen, wie es dort wohl weiter ging, denn das konnte doch nicht alles sein? Als Spätzünder wäre ich nie auf die Idee gekommen so alt zu werden wie heute, denn es scheint eine Art Auftrag zu sein weiter am Leben zu forschen wie es sich verändert und weiter entwickelt. Ich bleibe neugierig und lasse mich noch immer leicht ablenken.

[ Burkhard Jysch ]



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