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26. Oktober 2026

Ein

Turmrestaurant

ist ein auf einem Turm oder Wolkenkratzer befindliches Restaurant,
das so angelegt ist, dass man beim Einnehmen seiner Mahlzeit das Panorama genießen kann.

Oft sind das Fernsehtürme ... d.h. der Turm hat an sich
einen anderen Zweck, aber oben gibt es ein Restaurant.

Die Ausnahme dieser Regel ist der

Bierpinsel

denn dessen einzige Funktion Gastronomielokale auf drei Etagen waren.

So sah er im Jahr 2008 aus:



Wir sind in Berlin, in Steglitz.

Die Geschichte dieses Gebäudes:

1976

Eröffnung dieses 47 hohen Gebäudes in in futuristisch anmutender Poparchitektur
der 1970er Jahre im Berliner Ortsteil Steglitz.
Gestaltendes Mittel war beim gesamten Gebäudekomplex der Sichtbeton
mit roten Kunststoffverkleidungen bzw. Anstrichen.
Er ist Teil der Pop-Art-Strömung und eines von wenigen architektonischen Kunstprodukten,
das aus den 1970er Jahren erhalten blieb.

Er steht zunächst leer ... und hatte irgendwann auch den Namen "Pleitebau".

Doch der Reihe nach.

Es war erstmal schwierig, einen Pächter zu finden,
doch das hat dann doch geklappt.


1976-1980

1. Stock: Bier- und Weingewölbe
2. Stock: Bierpinsel-Steakhaus mit einer der ersten Salatbars in Deutschland
 3. Stock: großes Turm-Café auf zwei Ebenen
4. Stock: Verwaltungs- und Lagerräume.

Im Turm-Café wurde die wöchentliche Radiosendung Zweites Frühstück
vom RIAS aufgezeichnet und eine Woche später gesendet.


1980

Die Restaurantkette Wienerwald hat den Bierpinsel
als Ergänzung zu ihrem Tourotel erworben.
Eigentümer des Grundstücks, auf dem der Pinsel steht,
ist übrigens das Land Berlin ... so müssen die jeweiligen Käufer des Gebäudes
mit dem Land einen Erbbauvertrag abschließen.


1980-2002

Kein Betrieb konnte sich lange halten und die Besitzer des Gebäudes wechselten häufig.
Außen und innen gab es immer dringenderen Instandhaltungs- und Modernisierungsbedarf.


2002

Vorübergehend geschlossen.


2003-2006

Im Gebäude finden sich eine Diskothek und eine Sport-Bar.


2007

Die Schlossturm GmbH wird gegründet, die den Betrieb von der Bierpinsel GmbH erwarb.
Die neue Besitzerin beabsichtigte das Gebäude wieder gastronomisch zu bewirtschaften.


2008-2009

Der Bierpinsel wird saniert.
Während der Sanierung wird er immer wieder
an private Veranstalter vermietet.


2010

Vorübergehend eröffnet dort ein Kunst-Café.

Und die Fassade des Bierpinsels wird von internationalen Streetart-Künstlern neu gestaltet.




2010/2011

Das Gebäude sollte wieder für Gastronomie und Veranstaltungen genutzt werden.

Doch in diesem etwas kälteren Winter gab es einem Wasserschaden
nach einem durch Frost verursachten Rohrbruch gekommen.
Ein Streit zwischen der Versicherung und den Besitzern verhindert die Sanierung
und verzögert eine neue Nutzung.


2017

Der Bierpinsel wird unter Denkmalschutz gestellt.

Und das Objekt wird auf der Webseite von Sotheby's für 3,2 Millionen angeboten.
Will aber niemand haben.

Also hat die Schlossturm GmbH eine Umnutzung der Immobilie geplant:
Schwerpunkt sollte nicht mehr die Gastronomie, sondern Büros sein.
Zielgruppe: Start-up-Unternehmen.
Zu diesem Zweck war auf drei Etagen die Einrichtung von Coworking-Spaces geplant.

Die gastronomische Nutzung war nicht mehr so wichtig, maximal ein einzelnes öffentliches Café.


2021

Dieses Konzept wird beim Verkauf an die Immoma-Gruppe bestätigt.
Die Umbauarbeiten sollten 2023 beginnen.


2023

Nix wurde begonnen ... stattdessen gab es einen Antrag auf ein Zwischennutzungskonzept.
Von diesem Antrag wurde dann später Abstand genommen.


2025

Der Bierpinsel soll wiedereröffnet werden.
Eigentlich.
Doch zum Jahresbeginn 2025 sprach der neue Besitzer von weiteren 3-4 Jahren Wartezeit.
Weil dies und das ... Bauantrag, Erbbauvertrag, Klärung der Fassaden- und Dachgestaltung.


Oktober 2025

Aktivisten besetzen den Bierpinsel und fordern,
dass er nach öffentlicher Beteiligung "gemeinschaftlich genutzt werden kann".
Bei der nach wenigen Stunden erfolgten Räumung wurden 15 Aktivisten festgenommen.


20. September 2026

An diesem Abend löste sich aus rund 30 Metern Höhe ein Fassadenteil
und stürzt auf die darunterliegende Schloßstraße.
Gottseidank wurde niemand getroffen.

Das Bezirksamt verpflichtete den Eigentümer,
eine Untersuchung zur Festigkeit der Fassade durchzuführen.
Dabei wurde festgestellt, dass die Fassadenelemente nicht sicher seien
und somit eine Gefährdung des öffentlichen Straßenbereichs unterhalb des Bauwerks nicht auszuschließen sei.


21. Oktober 2026

Das Bezirksamt lies aus Sicherheitsgründen die Joachim-Tiburtius-Brücke,
die südliche Fahrbahn der Schildhornstraße sowie die westliche Fahrbahn der Schloßstraße
und einen Eingang des gleichnamigen U-Bahnhofs vorsorglich sperren,
da der Eigentümer zuvor keine eigenen Maßnahmen ergriffen hatte.

Das ist die Geschichte des Bierpinsels.
Eine "Never Ending Story", wie es aussieht.
 



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