Aktuelles von Nina:

Gott hat einen harten linken Haken!

Liebe SeelenfärblerInnen, da ist sie wieder, die Nina-Mama mit einem ersten Bericht in 2019 und mit einem etwas anderen Inhalt als nur zum Thema "Nina",wenngleich alles im Zusammenhang steht.

Der letzte Bericht wurde von mir im Dezember 2018 geschrieben. Viel,sehr viel ist-wie bei euch allen – passiert. Nun sind wir bereits schon wieder Mitte März im neuen Jahr angekommen und ich habe das Gefühl, dass ich bis hierher wie ein rassiges Rennpferd auf meiner Lebensrennbahn war/sein musste.

Am 20.Dezember bekam ich zu allem Überfluss ein Erysipel im linken Bein und der an dem Freitagmorgen aufgesuchte Hausarzt lehnte jegliche Verantwortung ab als ich ihm berichtete, dass ich am Folgetag in meinen Urlaub in die Niederlande aufbrechen bzw. gleich anschließend danach noch Zeit bei meinem Enkel und seiner Freundin in Leipzg würde verbringen wollen.

Diese kleine Episode brachte aber auch zutage, dass mein Sohn sich extrem belastet fühlt, wenn es mir nicht gut geht und er mich eindringlich bat auf mich aufzupassen, denn er habe schon den Papa verloren, seine Schwester zu Grabe tragen müssen, seine andere Schwester müsste er nun als andere Nina verkraften lernen, die im gewisse Maße für ihn auch verloren wäre, sein "Ich habe nicht mehr viel..." ging mir schon sehr nahe, denn ja, jeder von uns hat so seinen ganz eigenen Blickwinkel auf unsere Biografien.

Natürlich (smile) habe ich aber meinen Kopf durchgesetzt, ein alleine zuhause bleiben über Weihnachten kam für mich nicht infrage, mein Sohn/Schwiegersohn waren bereits in Hessen bei der Familie meiner Schwiegertochter, ich wollte mich bewusst ein paar Tage gedanklich von meinen Sorgen und Nöten aus der zurückliegenden Zeit betreffs Nina freizumachen versuchen, wußte ich doch, dass mein Schwiegersohn Besuch von seiner Mutter und seinem Stiefvater, im weiteren Text Uli genannt, denn der ist schon über dreißig Jahre der Ersatzvater meines Schwiegersohns, aus Berlin bekommen und insofern nicht alleine an dem Fest sein würde.

Das und wie unsere kleine Familie zusammenhält, das erlebte ich dann mal wieder daran, dass mein Enkel erstmal aus Leipzig in den Norden zu mir kam, die Oma mit Sack und Pack ins Auto verfrachtete und wir dann zunächst nach Leipzig fuhren, um am darauffolgenden Tag zusammen mit seiner Freundin gen Niederlande zu ihrer Familie und zum Fest der Feste zu fahren. Was ich dann in der folgenden Woche an Aufmerksamkeit, Zuwendung, Fröhlichkeit in der niederländischen Familie erlebte, das war an Gastfreundschaft etc. nicht zu überbieten und davon zehre ich noch heute!

Derweil hatte man auch im Pflegezentrum für die BewohnerInnen einen schönen Weihnachtsnachmittag ausgerichtet. Allerdings hat es der älteste Sohn von Nina nicht geschafft, mit zu der Feier zu gehen. Das muss man respektieren, wenngleich es einem auch etwas das Herz brach. Der kleine Enkel war hingegen mit seinem Papa bei der Weihnachtsfeier und da man einen Weihnachtsmann und ihm helfende Engel vor Ort hatte, die Geschenke an alle BewohnerInnen verteilten (Nina bekam ein hellgraues Strickset bestehend aus Schal, Handschuhen und Mütze), es Kaffee, Kuchen, Kinderpunsch, Süßes gab, war es wohl ein schöner Nachmittag für Nina, ihren Mann und ihren jüngsten Sohn.

Ein paar Tränen gab es auch, denn plötzlich war der Weihnachtsmann schon fort und der Kleine wollte doch sich mit ihm fotografieren lassen, damit er es seinem daheim gebliebenen Bruder würde zeigen können. Also musste Schwiegersohn einen Sprint einlegen smile, um den Weihnachtsmann noch abfangen und das erwünschte Foto machen zu können. Kaum war diese Hürde genommen, gab es die nächsten Tränen ... man hatte die Liederhefte bereits wieder eingesammelt, die für den Nachmittag angefertigt worden waren ... auch hier, der große Bruder sollte doch ... aber auch dies Problem löste man für den Lüdden, schnell wurden ihm zwei Liederhefte für sich und den großen Bruder geholt und übergeben. Ihr lest es, was für einen achtjährigen Jungen unter den besonderen Lebensumständen Wichtigkeit erlangte.

Man kann über die Bundeswehr und über die angeblich marode "Uschi"-Truppe denken was man will, aber sie stellt sich in unserem Fall als große Stütze dar. In den Herbstferien war mein Schwiegersohn mit den beiden Jungen für eine Woche Auszeit bereits in einem der Hotels in Österreich, die die Bundeswehr mehrfach an unterschiedlichen Orten bereithält und hatte eine wunderbare, Kraft tankende Woche mit den Jungs.

Im Dezember waren sie dann zu einer Auszeit übers Wochenende in Travemünde, okay, der Besuch des Weihnachtsmarktes in Lübeck fiel dann im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser, denn der Himmel weinte an dem Samstag und inmitten der Weihnachtsmarkt Fröhlichkeit flossen bei meinem Schwiegersohn und den Jungen viele Tränen, so dass sie den Besuch nicht in der geplanten vollen Länge aus/durchhalten konnten. Aber dies ist alles mehr als nachvollziehbar.

Wer mir bis hierher lesend gefolgt ist, der wird sich vielleicht gedacht haben, warum ich die Liedzeile aus einem Text von Peter Fox als Überschrift wählte ... und damit leite ich mal über in den Februar 2019.

Mein Schwiegersohn ist als Fahrlehrer bei der Bundeswehr beschäftigt und in einem regelmäßigen Rhythmus muss er die uns aus dem privaten Bereich auch bekannten Nachtfahrten unternehmen. Beim Bund in der Fahrschülerausbildung sind es wirklich Nacht- und keine Dunkelfahrten wie wir sie alle kennen.

Diese eine Woche jeweils bringt es mit sich, dass die Jungen nachts alleine wären. Das geht natürlich nicht. Dankenswerter Weise übernehmen seit einem Jahr die Nachbarn und guten Bekannten von Nina und ihrer Familie diesen "Dienst". Es handelt sich um ein Ehepaar ohne Kinder ,so schläft immer einer der Ehepartner im Haus bei den Kindern.
Was diese seit einem Jahr also machen, das ist selten aber ab und zu dann mal nicht kompatibel mit der Nachtfahrt-Woche. In solchen Zeiten reisten entweder die Eltern meines Schwiegersohns beide aus Berlin an, oder aber der Uli alleine, der schon Rentner ist ( die Mutter ist erst Anfang Sechzig und arbeitet noch), um so den Part zu übernehmen.
Meistens kommen wir, da wir tagtäglich und manches Mal mehrfach miteinander telefonieren, dazu, dass mein Schwiegersohn berichtet, dass wieder Nachtfahrten anstehen usw.
Vor drei Wochen war es so aktuell, dass wir noch nicht einmal davon gesprochen hatten, dass es wieder so weit sei, noch dass Uli aus Berlin dieses Mal anreise würde.
Am 19. Februar war ein ganz besonderer Tag für meinen Sohn und meine Schwiegertochter, denn sie konnten in ihr Haus einziehen. Das erfüllt nicht nur die Neu-Hausbesitzer mit Stolz sondern auch uns Elternteile. Nach dem hektischen, arbeitsamen Umzugstag, an dem ich nur für das Catering für die Möbelpacker sorgen musste, folgte der ruhigere Mittwoch und damit hatte ich Zeit und Muße, um zu meinen Kindern zu fahren und ihnen das traditionelle Brot & Salz Präsent, extra vom Bäcker meines Vertrauens gebacken und mit besticktem Salzsäckchen, Ähren etc. hübsch zurechtgemacht, zu bringen.

Als ich die lange Auffahrt zum Haus hinaufging, da war ich dankbar und glücklich und in meinem Kopf war der Gedanke, dass das endlich nun mal wieder ein Lichtblick in unserem Familienleben sei.

Es war früher Nachmittag, wir tranken noch kurz eine Tasse Kaffee zusammen, dann fuhr ich heim. Kaum hier angekommen, da klingelte das Telefon und mein Schwiegersohn berichtete:

Er hatte unmittelbar vorher im Dienst einen Anruf von seinem ältesten Sohn erhalten, der nachfragte, wo denn Opa wäre. Mein Schwiegersohn sagte ihm, dass der Opa den jüngeren Bruder von der Schule abholen würde woraufhin mein Enkel sagte, dass der jüngere Bruder schon längst zuhause wäre, aber der Opa halt nicht.

Mein Schwiegersohn rief auf dem Handy von Uli an und es meldete sich ... die Neurologie eines Krankenhauses in Uelzen! Uli war morgens einkaufen gegangen, ein Mitarbeiter eines Supermarktes wurde auf ihn aufmerksam, weil Uli wohl längere Zeit an der Wand des Supermarktes stand und in seiner Geldbörse kramte. Der Mitarbeiter sprach Uli an und stellte sofort fest, dass Uli gar nicht mehr ansprechbar war und orderte sofort Notarzt und RTW.

So kam Uli bereits morgens um 10 Uhr auf die neurologische Intensivstation. Als mein Schwiegersohn in dem ersten Telefonat mit der Oberärztin sprach, fragte diese sofort nach dem Vorhandensein einer Patientenverfügung und berichtete, dass das bereits erste gemachte CT massivste Hirnblutungen unklarer Genese gezeigt habe. Man hatte Uli schon zu dem Zeitpunkt einen Shunt gelegt, um das Hirnwasser ableiten zu können. Aussage der Oberärztin am Telefon war, dass eine Operation nicht infrage kommen würde, das würde mit an 100%iger Sicherheit zu einem Versterben auf dem OP-Tisch führen, zumal Uli auch noch Blutverdünner seit Jahren nimmt. Des Weiteren wurde meinem Schwiegersohn mitgeteilt, dass bei einem Überleben von Uli er mit ebenso großer Sicherheit zu einem 24-Stunden-Schwerstpflegefall werden würde.

Mein Schwiegersohn hat nach diesen schockierenden Angaben zunächst den Pastor in Berlin angerufen, damit der sich auf dem Weg zur Mutter meines Schwiegersohnes machen konnte, dann hat mein Schwiegersohn mich unterrichtet und danach in Berlin angerufen, um seiner Mutter im Beisein vom Pastor die ersten Informationen zu geben.
Sie reiste natürlich ein paar Stunden später aus Berlin an und es stellte sich heraus, dass die Eheleute sich gegenseitig mündlich versichert hatten, dass sie nur Gott über das Ende ihres Lebensweges würden entscheiden lassen wollen, nicht dem jeweiligen Partner in so einer Situation die Verantwortung aufbürden wolle.

Nun haben wir den furchtbaren Ist-Zustand, dass nach zigfacher CT Kontrolle in den letzten drei Wochen feststeht, dass Uli aus neurologischer Sicht "tot" ist, er nunmehr nur noch als Beatmungspatient angesehen wird. Der Shunt und das Ableiten des Hirnwassers nimmt den Druck aus eben diesem, aber alle durchgeführten Tests zeigen sozusagen flatline.

Man kann den sehr kostenintensiven Verlegungsprozess nach Berlin ihm nicht mehr zumuten, er nimmt nichts mehr wahr, aber das Risiko für so einen Transport müsste die Ehefrau alleine verantworten, wer kann/will das schon.

Die Mutter von meinem Schwiegersohn reist momentan donnerstags aus Berlin an und fährt sonntags zurück, sie muss sich noch um die alte weit über 90 Jahre alte Tante kümmern, das macht nur zum Teil ein Pflegedienst.

Am vergangenen Donnerstag war das Gespräch mit dem Chefarzt der Neurologie und der
hat noch mal zum Ausdruck gebracht, da es keine schriftliche Patientenverfügung gibt, ob man Uli nicht gehen lassen sollte. Mein Schwiegersohn rief mich an und fragte nach meiner Meinung, die deckungsgleich mit seiner ist: Wir würden Uli gehen lassen, wir würden seinen Lebenskreis auch dort vor Ort sich schließen lassen. Allem Anschein nach kann sich seine Mutter aber (noch) nicht dazu durchringen, wir "warten auf Godot" sozusagen. Eine unerträgliche, fast surreal anmutende Situation.

Das wir dies, in erster Linie natürlich die Mutter, Sven und die beiden Enkel, aber nachgeordnet natürlich wir alle in unserer sowieso schon kleinen Familie innerhalb von zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal einem Jahr ( Ninas "Jahrestag" war gestern am 12.März)
zu verkraften haben, es ist schon bitter.

Vor allen Dingen frage ich mich, was das nun mit meinem Schwiegersohn und den Enkeln macht!!! Da gehen die Jungs das zweite Mal innerhalb von elf Monaten morgens zur Schule aus dem Haus und sehen a) ihre Mama nach unglaublichen 7 Monaten und für immer verändert erst wieder und b) den Opa werden sie nie wiedersehen! Für meinen Schwiegersohn, der nun damit leben muss, dass jeder von uns seine Endlichkeit hat, dass das genauso an dem Tag, zu der Stunde in Berlin hätte passieren können, aber nein, es muss genau dann passieren, wenn der Uli zu seiner Entlastung und für die Enkel anreiste.

Das sind wieder Biografie Fußabdrücke, die schon nicht so schön sind. In diesem Sinne bleibt mir alle gesund! Der nächste Bericht wird dann wieder ganz von Nina, ihrem Alltag im Pflegezentrum, davon das nicht alles Gold ist was glänzt u.a.m. berichten.

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