Aktuelles von Nina:

Was macht ein schwerwiegendes Ereignis mit den Menschen,die es erleben

Liebe SeelenfärblerInnen, meine heutige Überschrift lässt sich niemals pauschal beantworten, denn dafür gibt es zu viele Lebensereignisse ganz unterschiedlicher Natur, die uns "aus der Bahn werfen" können oder die uns stärker aus einem Lebensabschnitt hervorgehen lassen.

Wie ihr vielleicht noch wisst: Suizid meines Ehemannes, "Krebstod" unserer ältesten Tochter und dann "noch" der Herzstillstand unserer zweitgeborenen Tochter Nina im März 2018, das sind in unserer kleinen Familie die "Eckdaten", die zur gewählten Überschrift gehören.

Wie ihr alle so wundervoll und oft in den vergangenen Monaten mir ( und meiner Familie) mit auf den Weg gegeben habt- wir scheinen mit jedem Ereignis stärker geworden zu sein. Wir haben nicht aufgegeben, wir haben nicht lamentiert, wir haben uns jedem "Ereignis" gestellt und versucht, dass das Beste daraus für unser weiteres Durchleben, Überleben, Erleben blieb.

Am Beispiel meines ältesten Enkel, der bald 27 Jahre alt wird und seine Mama vor 16 Jahren hergeben musste, nachdem er zusammen mit ihr und uns zwei Jahre gegen die Krankheit versucht hatte anzukämpfen, haben wir "den einen Weg" in den Jahren erleben dürfen. Er hat im Alter von 9 (Diagnose) bis 11 (Tod) für ein Kind in diesem Alter erstaunlich auf die damalige und für uns alle nicht nachvollziehbare Situation (keiner in unserer Familie hatte die Mama verloren!) reagiert.

Gefühlt wurde er mit jedem Tag, den er mit ihr und ihrer schweren Erkrankung durchleben musste, stärker. Stärker in einer nicht zu beschreibenden Art und Weise für die ich keine Worte finden kann, die annähernd ausdrücken könnten wie es seinerzeit war.

Aber ein Kind im Alter von 11 Jahren, dass sich im Moment des Sterbens zu seiner Mama auf die Bettkante setze, ihr sagte, dass er ihr eine gute Reise wünschen würde wohin diese nun auch gehen möge, der ihr sagen konnte, dass sie für ihn die beste Mama auf der Welt gewesen wäre, so dass ein Lächeln auf dem Gesicht der sterbenden Mama erschien, der muss in diesem Moment eine mentale Stärke gehabt haben, die uns fassungslos machte.

Er hat seinen Lebensweg bis heute nach diesem traumatischen Ereignis mit einer Kraft fortgesetzt, deren Ursprung man manches Mal hinterfragt. Woher nahm er diese Kraft, dass er sich selber einen Lebensplan erstellte, den er bis heute minutiös Punkt für Punkt mit Leben erfüllt?

Er ist durch und durch Sportler, seit seinem 4. Lebensjahr dem Handballsport verbunden, aber in einer Art und Weise, dass er seinen heißgeliebten Sport zu seinem Lebensinhalt auch in beruflicher Hinsicht machen konnte. Jetzt Sportwissenschaftler, in dem jungen Alter gerade die A-Lizenz beim Deutschen Handball Bund erfolgreich bestanden und damit im Kreis "der Großen in dieser Szene" angekommen. Er kann mehr als stolz auf sich und das Erreichte sein. Wir sind es auf jeden Fall und genießen es, dass die Jahre nach dem Tod seiner Mama und unserer dann einsetzenden "Erziehung" scheinbar gefruchtet haben, aber in allererster Linie hat dieser junge Mensch eine innere Stärke, das ist unglaublich.

Gleichwohl - er erzählte mir unlängst, dass er des Nachts durchaus mitunter aus dem Schlaf auffährt und dann um das verlorene Glück und die nicht mehr erlebte Zeit mit der Mama weinen muss. Wer mag es ihm verdenken!

Warum ich euch dies in meinem heutigen Bericht schreibe, weil wir nunmehr seit einem Jahr erleben müssen, dass jeder Mensch anders ist (schlaue Erkenntnis, ich weiß, smile!) und die beiden Söhne von Nina und meinem Schwiegersohn so gar nicht mit dem Ereignis umgehen können, dass die kleine Familie traf und ihnen nun schon seit Monaten ihre Mama aus dem häuslichen Lebenskreis entrissen hat.

Ja, sie sind froh und können dies auch artikulieren, dass die Mama lebt!
ABER – sie kommen überhaupt nicht damit klar, dass sie nun zwar die Mama haben, aber das es eben eine ganz andere, eine "neue" Mama ist.

Da, wo ich mit jedem Aufeinandertreffen mit meiner Nina, besser damit umgehen kann, dass diese "neue" Nina sich weiterhin step by step etwas vom Leben zurück erobert. Ich immer mehr diese "neue" Nina annehmen und mit ihr umgehen kann (klingt das jetzt komisch ausgedrückt ?), wir viel Spaß, viel Lachen in den gemeinsamen Stunden haben, da erlebe ich nach wie vor meine beiden Enkelsöhne, das sie neue Mama nicht genießen, sie (noch) nicht in ihr Leben lassen können.

Sie auch heute nur immer höchstens 15-20 Minuten bei der Mama bleiben können, deren Kommunikation mit der Mama sehr oberflächlich bleibt oder eigentlich gar keine "richtige" Kommunikation ist (noch nicht sein kann ?). Sie begrüßen die Mama mit Küssen, sie setzen sich zu ihr ... und überlassen dann sozusagen eine Unterhaltung den anderen anwesenden Personen also meinem Schwiegersohn und/oder mir. Sie berichten zum Beispiel der Mama nicht wie ihr Alltag gerade aussieht, wie die Schule an dem Tag war oder oder.

Nina selber hat mittlerweile dahingehend den Bezug zu ihren beiden Jungen, dass sie weiß wer sie sind, wie alt sie sind, welche Klassen sie eigentlich besuchen usw.. Aber sie fragt von sich aus auch nicht die Jungen, so dass eben auch keine Kommunikation in dem Sinne zwischen Mama und Kindern stattfindet.

Ganz anders verläuft die Kommunikation zwischen Nina und mir, da fragt sie mir heutzutage sozusagen Löcher in den Bauch. "Wie geht es den Kindern, was machen die Kinder, wie kommen sie klar, wie ist es, wenn der Sven noch nicht zuhause ist, aber die Jungen schon da sind, wie läuft das zuhause, muss ich mir also keine Sorgen machen" ... daran könnt ihr erkennen, dass Nina schon wieder einen relativen (!) Bezug zu ihrem Leben hat und hinterfragen kann, wenn sie etwas nicht versteht.

Über ein Jahr haben Schwiegersohn und ich versucht, dass die Kinder, unter Begleitung von ambulanter Psychotherapie, durch die Zeit kamen. Letztendlich musssten wir nun aber vor Wochen die Reißleine ziehen und einen ganz anderen Weg beschreiten. Einen Weg, der uns zunächst Angst machte, waren wir in diesem Punkt doch relativ mit Vorurteilen belastet.

Der älteste der beiden Jungen, der im nächsten Monat 13 Jahre alt wird, wurde immer mehr zu einem großen Problem vor allem für meinen Schwiegersohn, der alleine vor Ort das Leben aller zu regeln hat. Der Enkel wurde immer mehr zu einer Art "Schulverweigerer" dergestalt, dass er von einem Infekt in den nächsten, von einem Unfall in den nächsten fiel. Die Ereignisse häuften sich dermaßen, dass ich nur noch Entschuldigungen für versäumte Schulzeiten schreiben musste, schon morgens vor 6 Uhr Anrufe von meinem Schwiegersohn empfing, dass der Sohn schon wieder nicht zur Schule könnte, weil...

Alles in allem zeigte der Körper von diesem Enkelsohn die rote Karte! Magen -und Darmprobleme waren schon fast Dauerthema, immer ärztlich attestiert etc., aber dann kam wie gesagt die Reißleine.

Ich war in allergrößter Sorge, dass durch die schon vorhanden psychosomatischen Beschwerden sich neue Felder auftun könnten ,wie z.B. Reizmagen oder Reizdarm etc.
Da die ambulante Psychotherapie nur höchstens einen Termin pro Woche, wenn überhaupt, vorhalten konnte, haben wir mit dem Psychotherapeuten besprochen, dass beide Jungen vorerst von der Schulpflicht befreit werden und dann in eine Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie kommen sollten.

Alle Hebel wurden von dem super unterstützenden Kinderpsychologen in Bewegung gesetzt und nach nur kurzer Wartezeit haben wir für die Jungen für erstmal zwölf Wochen zwei Plätze bekommen.

Seit dem 13.Mai sind die beiden Jungen nun in der ambulanten Einrichtung und das Leben wurde dadurch so viel leichter für die beiden Jungen, aber auch für meinen Schwiegersohn. Hätten wir das bloß schon im letzten Jahr in die Wege geleitet!!! Hätten wir bloß nicht diese innere Sperre vor "Klinik Kinder- und Jugendpsychiatrie" gehabt! Hätte, hätte, Fahrradkette smile.

Die Jungen werden morgens um 8 Uhr zuhause mit einem Taxi abgeholt, dann in das Kurbad gebracht, in dem sich die Tagesklinik seit 2017 erst befindet, es wird gemeinsam gefrühstückt, es gibt Einzel- und Gruppentherapiestunden, jeden Tag werden 45 bis 90 Minuten "Schule" abgehalten (Lernstoff gibt es von den LehrerInnen der bis dato besuchten Schulen), es wird gemeinsam zu Mittag gegessen usw. usw..

Jedes Kind hat zwei Ärzte zur Seite stehen, insgesamt sind immer nur 15 Kinder in der Tagesklinik, sodass sich ein hervorragender Personalschlüssel ergibt.

Um 16 Uhr werden die beiden Jungen dann wie morgens mit einem Taxi bis vor die Haustür gebracht und sind so nur noch knapp eine halbe Stunde alleine, dann kommt der Papa nach Hause.

Nun können wir nur hoffen, dass diese zwölf Wochen den "Durchbruch" für die beiden Jungen bringen, dass sie das Schicksal ihrer Mama und der Verbindung damit zwangsläufig für ihr weiteres Leben mit dieser "neuen" Mama annehmen und "mit Leben" werden erfüllen können.

Keinem Menschen wünsche ich Erlebnisse wie die unseren, gleichwohl lag es mir besonders mit diesem Bericht am Herzen aufzuzeigen, dass das sehr wichtig sein kann, dass man auch mal seine Vorurteile wie z.B. gegenüber einer psychiatrischen Einrichtung fallen lassen muss.

Damit soll es für heute erstmal wieder genug aus unserem Lebensalltag sein. Bleibt mir wie immer alle gesund und munter da "draußen"!

Kleiner Nachtrag noch: Uli (Stiefvater vom Schwiegersohn) liegt nunmehr seit Wochen in Berlin in einer Pflegeeinrichtung und man bemüht sich, indem man ihn schon mal für zehn Minuten in den Rollstuhl setze, ihm einen dauerhaften Tracheal Zugang legte, Sprechaufsatz schon mal probierte, aber all dies ist nicht wirklich von "Erfolg" gekrönt. Es ist also eine Pflegesituation eingetreten, die noch lange andauern könnte ... und die Mutter meines Schwiegersohnes hegt immer noch weiterhin die Hoffnung, dass das sich doch noch mal zum Guten wenden könnte. Keiner hat das Recht ihr diese Hoffnung zu nehmen, aber letztendlich ist es aus der Distanz betrachtet eine hoffnungslose Situation in Anbetracht der schweren Hirnschädigungen ...

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