Altweibersommer

Diese abendliche Luft
nicht in einem Zug einzuatmen
lieber in wenigen hintereinander
ich verlange nach mehr
sie kommt aus den Kiefern
einem Ameisenhaufen
ihr scharfer Geruch
von Abwehr und Fleiß
unzählige Blätter
zu Boden gesegelt
von Pferden der Dung
auf schwarze Erde gefallen

das Fallende und Gefallene aufzunehmen
in seine ewigen Arme
zurück geführt in Wurzel und Stamm
auf dass es wieder zu grünen beginne
heute lässt Sommer Mücken tanzen
um die Zweige im Licht
sie berühren sich nicht und wissen von nichts
umeinander im Reigen als gäb´s kein Morgen
die Nacht macht sich fein den Tag abzulösen
der Wechsel kommt früher
die Spinne, schon fett, bewacht ihre Fäden
und sind es nicht sie
die sich sichtbar im Wind auf den Wiesen bewegen
sich an Zaunpfählen halten, an stachligen Drähten
Altweiber war Sommer und ist nicht ganz Herbst
ist zwischen den Fronten im Niemandsland
manchmal für Momente
zu riechen, zu fühlen
wenn die Bienen noch wären
die sandige Heide, das Kraut zu betaumeln
es wäre für sie Paradies.

[ Burkhard Jysch ]