Weihnachten früher und heute

Gerlinde aus Sachsen - Teil 1 (von 3)

Weihnachten in den 60er Jahren



Links Gerlinde mit der Puppe, die zum Schulanfang 1959 auf der Zuckertüte saß.
Sie bekam Weihnachten 1960 ein neues Kleidchen.
Rechts ihre beiden Geschwister.



Im Hintergrund auf dem Spielzeugschränkchen stehen die Krippenszene und unsre beiden Engel.
Der Bergmann für den Bruder stand auf dem Fensterbrett.

Gerlinde erzählt:

Ich bin im Dezember 1952 im Erzgebirge geboren, eine meiner schönsten
Erinnerungen an ein Weihnachtsfest würde ich auf 1960 datieren.

Meine Schwester (1954 geboren) und ich waren glücklich über den kleinen Bruder,
der seit September 1960 zu unsrer Familie gehörte.
Auch wenn es bedeutete, dass in naher Zukunft Obst oder Schokolade nicht mehr halbiert,
sondern durch drei geteilt werden müssten.
Es wurde enger in der Wohnung, denn die Wohnküche mit Kinderspielecke hatte ihre Grenzen!

Weil Vater in einer Kirchgemeinde angestellt war, hatte er sonntags oder feiertags oft Dienst.
In fast allen Jahren waren wir stets alle gemeinsam
zum Krippenspiel in der Kirche unseres Wohnortes zu finden.
Anschließend ging es schnell nach Hause, denn der Großvater
und seine Schwester (Vaters Tante) kamen stets zu uns zum Weihnachts-Abendessen.

Für uns Kinder ging es danach flink in die Betten!
Das Christkind hatte soo viel zu tun!
Bis es den Weg aus dem Niederdorf bis zu uns geschafft hätte,
wäre es viel zu spät geworden für uns Kinder!
Deshalb flugs ins Bett, damit das Christkind nachts
die Geschenke unter den Christbaum legen konnte.

Meine Eltern haben dann gewirbelt:
aus dem Alltagszimmer wurde bis zum Morgen ein festliches Weihnachtszimmer.
Wenn die perlenden Töne der großen Spieldose erklangen, durften wir ins Zimmer.
(Meistens gegen 6 Uhr)
Stumm und staunend standen wir vorm Weihnachtsberg oder,
wenn es mal keinen gab, vor dem Stall mit dem Kind in der Krippe.
Am Fenster standen Engel und Bergmann der Eltern,
am zweiten Fenster unsere Figuren:
der Bergmann für den Sohn, die beiden Engel für uns Mädchen.

Außerdem gehörten neben dem Christbaum auch Nussknacker, Räuchermänner,
kleine Lichter und Engelfiguren in die Weihnachtsstube.
Wir durften die Pracht mindestens bis zum 6.1., meistens sogar bis zum 2.2. genießen.

Es war stets ein fröhliches Zusammensein als Familie
mit kleinen, selbst gearbeiteten Geschenken.
Ob aus Wolle, Papier, Holz, Ton oder Knete hing von den
Interessen und Fertigkeiten der Kinder oder unseres Vaters ab.

Mutters Augenmerk galt der Zubereitung der Schätze in Küche und Keller
und sie lehrte uns, dass es eine wichtige Übung ist,
einen Platz und ein Herz für die zu haben, denen es nicht so gut ging wie uns.

"... un schie ruhig is in Stübl, steigt der Himmelsfriedn raa,
doch in Harzn lachts un jubelts: Jaa de Weihnachtszeit is da!"
(Textzeile aus dem „Raachermannl-Lied)

So habe ich es all die Jahre im Elternhaus empfunden
und sehr oft saßen Gäste dabei:
Einsame, Kranke, Trauernde aber auch Familien mit vielen Kindern.
Es war (und bleibt) mir ein Rätsel, woher Mutter und Vater die Herzlichkeit,
die Freude, die Kraft (und das Geld) für das offene Haus nahmen.
Wir haben diese Art Weihnachten zu feiern geliebt!

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